
Ein Zug von Flüchtlingen nähert sich einer Kleinstadt und bringt deren Bewohner dazu, über Hilfe, Besitz und Sicherheit zu sprechen. In dieser Situation begegnet Hermann der jungen Dorothea. Was zunächst wie eine persönliche Geschichte erscheint, steht damit von Anfang an in einem größeren Zusammenhang. Goethe verbindet die Suche nach Nähe mit der Frage, wie Menschen auf fremde Not reagieren. Die Handlung braucht keine raschen Ortswechsel, um Spannung zu entwickeln: Berichte, Erwartungen und Missverständnisse verändern den Blick auf die Beteiligten. Das Werk besteht aus neun Gesängen. In der vollständigen Lesung bleibt ihre ruhige Bewegung erhalten, ebenso wie der Wechsel zwischen beobachteter Alltagsszene und feierlicher Verssprache.
Die Form der epischen Dichtung verbindet einen erzählenden Zusammenhang mit einer hörbaren Versbewegung. Dadurch erhalten auch scheinbar gewöhnliche Handlungen ein besonderes Gewicht. Ein Gespräch im Haus, eine Gabe oder ein vorsichtiger Wunsch können zugleich eine persönliche und eine gesellschaftliche Bedeutung haben. Die Namen der Musen gliedern die neun Gesänge, ohne den Fortgang in einzelne, voneinander unabhängige Geschichten aufzulösen. Für heutige Hörer ist vor allem interessant, wie sich Urteile über Menschen bilden. Besitz und Herkunft erscheinen als schnell verfügbare Maßstäbe. Daneben stehen Erfahrungen von Arbeit, Fürsorge und Verlässlichkeit. Das Gedicht lädt dazu ein, diese Maßstäbe am Verhalten der Figuren zu überprüfen.
Diese vollständige Ausgabe hören
Diese Seite enthält alle Audiodateien der ausgewählten LibriVox-Ausgabe. Die Einführung begleitet die Aufnahme, ohne das Werk zu ersetzen.
Beginne mit der ersten Datei und folge der angezeigten Reihenfolge. Das Verzeichnis öffnet auch jede Datei einzeln.
Alle Dateien dieser Ausgabe in ihrer Reihenfolge (9)
- Kalliope – Schicksal und Anteil — 00:27:35
- Terpsichore – Hermann — 00:35:20
- Thalia – Die Buerger — 00:14:14
- Euterpe – Mutter und Sohn — 00:30:55
- Polyhymnia – Der Weltbuerger — 00:28:45
- Klio – Das Zeitalter — 00:39:51
- Erato – Dorothea — 00:26:10
- Melpomene – Hermann und Dorothea — 00:13:46
- Urania – Aussicht — 00:41:18
Über diese Ausgabe
- Autor
- Johann Wolfgang von Goethe
- Literarische Form
- Epische Dichtung
- Gesamtdauer
- 04:17:54
- Gelesen von
- redaer
Ein Zugang zum Hören
Hören Sie den ersten Gesang zunächst ohne Unterbrechung. Notieren Sie danach, was die Bewohner selbst wahrgenommen haben und was sie nur aus Berichten kennen. Beim zweiten Hören achten Sie darauf, wie sich aus einer Beobachtung bereits ein Urteil entwickelt. Verfolgen Sie dann im Gesang Terpsichore, wie Hermann über seine Begegnung spricht. Seine Wortwahl lässt sich mit den Erwartungen anderer Figuren vergleichen. Lassen Sie sich vom Versmaß führen, ohne jeden Satz in ein Schema zwingen zu wollen. Eine kurze Pause an einem gedanklichen Wechsel ist oft hilfreicher als das Mitschreiben einzelner Wörter. Alle neun Gesänge sind als neun aufeinanderfolgende Audiodateien enthalten.
Drei Fragen zum Weiterdenken
- Welche Aussagen über die Flüchtlinge beruhen im ersten Gesang auf Berichten, und welche auf unmittelbarer Wahrnehmung?
- Wie begründet Hermann im Gesang Terpsichore seine Reaktion auf die Begegnung mit Dorothea?
- Welche Bedeutung erhalten Hilfe und Besitz in den beiden ersten Gesängen? Vergleichen Sie die Sichtweisen zweier Figuren.
Aufnahme und Mitwirkende
Quelle der Aufnahme — LibriVox · Verwendeter Text
LibriVox-Aufnahme, unverändert wiedergegeben. Mitwirkende und verwendete Ausgabe sind auf dieser Seite genannt.